Vodka am frühen Morgen

Neue Woche, neues Glück? Der Mehrzahl der Menschen mag den Montag nicht. Und manchmal muss man erst recht die Zähne zusammenbeißen. Nämlich dann, wenn man eine Zahn-OP hat. Wobei – da habe ich mein Mäulchen aufgerissen.

Als der der Meister aller weißen Zähne mein Übel an der Wurzel packte, hörte ich Schleifgeräusche wie auf einer Baustelle. Trotzdem mir ein Vorhang übers Gesicht gezogen worden war, konnte ich aus dem Fenster schauen. Ich blickte auf einen Plattenbau. Da wurden Kindheitserinnerungen wach und die waren überhaupt nicht schlimm. Aber das Beste an der OP war das Vorspiel. Ich bin im ganzen Gesicht mit Alkohol eingeschmiert worden. Vodka am frühen Morgen.

Nun sitze ich mit einem Melonenkopf zu Hause. Obwohl – eigentlich ist es inzwischen nur noch ein Mopsgesicht. Denn ich halte mir eine Kühlzelle an die Eisbacke. Eine ganz Woche ernähre ich mich von Starkstromtabletten. Aber damit habe ich als 45-jährige Tablettenschachtel ja Erfahrung. Doch mein Grundnahrungsmittel ist Flüssignahrung. Mein Mann hat ein 14-Gänge-Menü für mich eingekauft: Milchreis, Grießbrei, Pudding, Tütensuppen, Kaltschale, Eis, Joghurt, Melone, Haferflockensuppe, Brühe, Buttermilch, Babynahrung, Quarkspeise, Kartoffelbrei. Ich hätte nie gedacht, dass man bei all dem Süßkram abnehmen kann. Zum Ende der Woche wiege ich zwei Kilo weniger. Vielleicht sollte ich einer Frauenzeitschrift einen Artikel anbieten. Schlagzeile: Schlank durch Zahn-OP!

Doch das Allerbeste ist: Ich freue mich jetzt auf Montag. Denn dann kommen sämliche Verstickungen aus meinem Mund. Sind die Fäden gezogen, steuere ich den nächsten Bäcker an. Ich gehe was Richtiges frühstücken. Kilo hin oder her.