Wenn du dran bist, bist du dran!

Diese Tatsachen-Behauptung meines Lieblingsvatis verursacht immer wieder ein lachendes und ein tränendes Auge in unserer Familie. Die Erkenntnis ist oft hart, oft nicht fair und oft sehr traurig.

Sylvester zieht man Jahresbilanzen. Ich tue das zur Halbzeit. Denn in diesem Jahr sind bereits jetzt so viele Dinge in meinem privaten Umfeld passiert, wo ich einfach nur die Löschtaste drücken möchte. Schlaganfall, Thrombose, Krankenhaus-Marathon wegen Krebs, Stürze wegen Schwindel-Attaken, Ablehnung der Pflegestufe, unklare Kopf-Diagnose …

Ich muss dann oft an das Märchen vom Dornröschen denken. Da hat man alles gegen die Prophezeiung unternommen, glaubte alle Spindeln vernichtet zu haben und doch konnte das Schlimmste nicht verhindert werden.

Und dennoch: Die Geschichte hat ein Happy End! Genau das ist das Mutmachende, was unser aller Leben lebenswert macht. Wir vergessen oft, uns an den schönen Momenten zu orientieren. Wenn fünf Dinge am Tag passieren, die positiv für uns waren und ein Ereignis passiert, was negativ ist, überschattet das alles.

Ich weiß genau, ich habe in dieser Halbzeit viel Gutes erlebt. Ausflüge mit Lieblingsmicha, Lieblingseltern und Freunden, 15-km-Lauf mit Lieblingsuli am Kyffhäuser, Spaß bei der Hundeshow Martin Rütters in Dresden, Konzert der Toten Hosen – aus dem wir lachend flüchteten, weil es uns einfach zu laut war, ein Päckchen voll mit Ginkgo-Geschenken von meiner Lieblingsanett, meine bislang wunderbarste Lesung in Göttingen und einem tollen Fotoalbum dazu von unseren Freunden Moni und Uli, herzliche Gespräche mit meiner Lieblingsneurologin, jeden Tag ein Päuschen nur mit mir, Milchkaffee mit Lieblingssven … Die Liste ist länger als alles Schlechte!

Mit diesem Bewusstsein lassen sich Situationen meistern, die im ersten Moment aussichtslos erscheinen, es aber nicht sind.