Mein Mädchen von Seite 1

Meine Heldin ist tot. Heute hätten wir uns wiedergesehen – beim Klassentreffen. Du wolltest es unbedingt. Noch einmal mit deinen Lieblings-Mitschülern und eurem Lieblings-Pauker der POS „Heinrich Heine“ von Halle-Neustadt über die doch im Rückblick immer lustiger werdenden Erinnerungen lachen. Und plötzlich bist du Erinnerung. Du fehlst! Unentschuldigt? Nein. Gevatter Krebs hat dir den letzten Strich durch die Rechnung gemacht.

Und nun – Jana Selig? Bitte mach deinem Nachnamen alle Ehre, auch wenn er falsch geschrieben ist! Es fühlt sich das an wie Liebeskummer – nur schlimmer. Kloß im Hals, Tränen, Wut. Wo ist die Hoffnung hin? Heißt es nicht immer, die stirbt zuletzt? Ich gehe sie suchen.

Ich denke daran, welches Glück das war, dass wir uns geschrieben haben – du in Wismar, ich in Halle. Schön, wenn Entfernung keine Rolle spielt. Wir waren uns innerlich nahe. Ob Krebs in Brust, Kopf, Becken oder Lunge – du hast das Schlimmste erlebt. Doch statt rumzujammern, hast du etwas geschafft, was den meisten Menschen in so einer Sackgasse nicht gelingt. Du hast gelacht.

Dein Galgenhumor war großartig. Eigentlich, habe ich zu dir gesagt, müsstest du ein Buch schreiben – bei so viel Mut. Du hast dich so über mein Mutmach-Buch gefreut. Und als ich dich fragte, ob ich dich mit auf meine Internetseite nehmen darf, fühltest du dich geehrt und warst glücklich.

Der Krebs wird eins nicht schaffen! Dich von meiner Internetseite zu vertreiben. Du bist ab sofort mein Mädchen von Seite 1.  Und das für immer und ewig!!!

Ist das ein passender Ort, um Kind, Mann, Mama und all ihren liebsten Menschen Kraft und alles Glück dieser Welt zu wünschen? Sicher nicht. Aber ich fände es noch unpassender, es an dieser Stelle nicht zu tun. Ein Vers, den Jana vor 10 Jahren beim Besuch in unser Gäsebuch geschrieben hat, soll trösten.

„Wirklich reich ist, wer mehr Träume in seiner Seele hat, als die Wirklichkeit zerstören kann.“